Kochquickie, investigativ – Grießbrei.

Heute mal wieder eine Süßigkeit. Eine, die viele Leute ganz gern auch in ihre Kinder hineinstopfen. Bevorzugt aus der Tüte, weil es ja so einfach ist und die Hersteller damit werben, dass der Grießbrei garantiert gelingt und auch die Milch nicht überkocht! Ich frage mich, erneut, woher diese Angst vor überkochender oder anbrennender Milch kommt. Ich koche schon sehr lange (sehr sehr sehr) und mir ist noch nie Milch angebrannt oder übergekocht, während ich etwas damit zubereitet habe. Wenn man nicht hinschaut und den Topf sich selbst überlässt, ok, aber doch nicht wenn man daneben steht und rührt.

Grießbrei gehört jedenfalls in die Top 10 der Süßspeisen, die so einfach zuzubereiten sind, dass sich jeder, der Tüten-Grießbrei auf den Tisch bringt, schämen sollte. Also, Grießbrei investigativ.

In einer Tüte Fertiggrieß stecken rund 90g Dinge divers. Etwa die Hälfte davon ist Hartweizengrieß, den Rest machen Aromen, Stärke, modifizierte Stärke, Zucker, Verdickungsmittel Xanthan, Milchzucker und Mono- sowie Diglyceride Emulgatoren aus. Ich fragte mich, warum in solchen Fertigprodukten Hartweizengrieß verwendet wird, denn der taugt eher für herzhafte Speisen, Weichweizen dagegen für den Süßkram. Vermutlich braucht es den Hartweizengrieß, damit die Pampe wenigstens ein wenig Biss behält oder so ist das Produkt noch günstiger in der Produktion, weil der Hersteller den Hartweizengrieß aus der Pastaproduktion eh im Lager hat.

  • Abschweifung: Xanthan ist sogar mal einer der weniger bedenklichen Zusätze. In hoher Dosierung kann es abführend wirken und da es nicht vollständig metabolisiert (also verstoffwechselt) werden kann, zählt es zu den Ballaststoffen. Aus zuckerhaltigen Substraten gewonnen, wird es der Nahrung als Verdickungs- und Geliermittel zugesetzt.

Was steckt also drin? Grieß und Zucker, soweit alles normal, mehr bräuchte es nicht, doch dann stolpere ich über Stärke, Aromen und Emulgatoren. Man verarbeitet also Grieß, der von sich aus quillt und klebt, verdickt mit Stärke, sorgt mit Emulgatoren für eine gewisse Cremigkeit und die Aromen (welche sich aus tatsächlichem Aroma und Geschmacksverstärkern zusammensetzen, auf dem Produkt aber nicht ausführlich deklariert werden müssen…) verleihen dem Ganzen den letzten Schliff. Wozu dieser Aufwand, nachdem Grieß und Zucker in der Milch ja ausreichen würden? Zunächst um viel Grießbrei aus wenig Rohstoff herzustellen. Die nicht einmal 50g Grieß, die in der Tüte stecken, sollen in 500ml Milch gerührt zu einem cremigen Brei werden. Es braucht also Verdickungsmittel um einen Brei zu kochen. Ausserdem soll das Produkt garantiert gelingen und die Milch nicht anbrennen (!!!). Die Milch wird also nur erhitzt, vom Herd genommen und der Tüteninhalt danach eingerührt. Die Zusätze sorgen dafür, dass innerhalb kurzer Zeit eine breiartige Masse entsteht, der Hartweizengrieß – hier wieder meine Theorie – sorgt für einen gewissen Biss, obwohl man nur Pampe im Topf hat, die Aromen und Geschmacksverstärker erledigen den Rest. Ernsthaft, will man das?

Und nun die einfache Variante, wie gewohnt ohne fragwürdige Zusätze:

Ihr benötigt, für 2 Portionen, 350-400ml Milch, 50g Weichweizengrieß, 30g Zucker. Die kalte Milch in einen Topf geben, Zucker dazu und bei mittlerer Hitze erwärmen. Unter Rühren den Grieß in den Topf rieseln lassen. Fleissig weiter rühren, bis der Grieß aufgequollen und zu einem Brei geworden ist, das dauert nur wenige Minuten. Lässt man den Grieß auskühlen, wird er stichfest. Fertig. Ohne Zusätze, ohne angebrannte Milch und garantiert sättigender (wenn auch weniger) als das Tütenzeug.

Das benutzte Geschirr sollte übrigens sofort eingeweicht oder abgewaschen werden. Eingetrockneter Grieß wird hart wie Beton. Um den ganz einfachen Grießbrei zu verfeinern, kann man eine Vanilleschote mitkochen oder etwas Kakao unterrühren.

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