Chili (con carne)

Es gibt mindestens so viele Chili-Rezepte, wie es Chili-Fans gibt und jedes Rezept garantiert die Zubereitung eines echten Chili. In ein Chili gehören also Chilis (Paprika, Peperoni), ausserdem Zwiebeln und beim con carne selbstverständlich auch Fleisch, dabei ist es egal ob man Hackfleisch oder Fleischwürfel verwendet. Viele Rezepte sehen ausserdem Tomaten und Bohnen vor, einige andere ausserdem auch noch Mais.

Hier soll es jedoch nicht um ein echtes Chili gehen, sondern um den Vergleich von frisch gekochtem Chili und einem Fix-Tüten Chili. Mein Rezept orientiert sich also an den für das Fix-Tüten Chili verwendeten bzw. mit Hilfe von Geschmacksverstärkern und Aromen vorgegaukelten Zutaten. Zwei Dinge muss man dem Fix-Chili lassen; es ist 1. unfassbar günstig und 2. sehr schnell gekocht. Beides sollte nachdenklich stimmen.

Um ein Fix-Chili (für 3-4 Personen) zu kochen, benötigt man 2 Fixtüten (€ 1,60), 400 g Hackfleisch (ich verarbeite nur Rindfleisch, beim Metzger € 4) und 1 Dose Kidney-Bohnen (keine Ahnung was die kostet, ich verwende nur trockene Bohnen, die ich selbst einweiche und koche. Ich schätze also irgendwas um € 1-1,50). Die Zubereitung ist denkbar einfach: Fleisch anbraten, Wasser (0,5 L) und Fix dazu kippen, 5 Minuten bei geringer Wärme kochen lassen, Bohnen drauf, essen. Gruselig! Zunächst fehlt mir hier der Hinweis, dass Hülsenfrüchte als Dosenware IMMER IMMER IMMER gründlich abgewaschen werden müssen. Ausserdem wundere ich mich über die kurze Kochzeit von nur 5 Minuten. Schließlich, sogar in der Tüte steckt Tomatenpulver und tomatige Gerichte müssen für gewöhnlich relativ lang kochen um einzudicken und eine angenehm sämige Konsistenz zu bekommen. Die frisch zugefügten Zutaten ergeben nun ja auch noch kein Chili, denn wie eingangs erwähnt, in ein Chili gehören Chilis!

Ein Blick auf die Zutatenliste der Fix-Tüte, 38 g: Tomatenpulver, Gewürze (Paprika, Pfeffer, Zwiebeln, Knoblauch, Kümmel, Ingwer, Chili), Jodsalz, Reismehl, Maltodextrin, Paprika, Zucker, geräuchertes Speckfett, pflanzliches Eiweiss, Kräuter, Aroma, Hefeextrakt, pflanzliches Öl, Säuerungsmittel. Übersetzt also: geringe Mengen Gewürze und Kräuter, die mit Hilfe von mehreren Geschmacksverstärkern (Aroma, Hefeextrakt) aufgeblasen werden und ein wenig Tomatenpulver, welches Dank Reismehl und Maltodextrin schnell eindickt und Wasser bindet.

  • Abschweifung: Maltodextrin ist ein Kohlehydratgemisch und eignet sich hervorragend als Trägersubstanz für Aromen, Verdickungsmittel und um Nahrungsmittel mit Kohlehydraten anzureichern.

So, mal ehrlich…dieses Chili ist schnell und wirklich günstig zubereitet, aber…puh. Wie man es auch machen kann, deutlich teurer und zeitintensiver, aber soviel besser: 400 g Hackfleisch, 1-2 Paprika, 1 Zwiebel, 1 Knoblauchzehe, 400 g Bohnen, 2 sehr reife Roma-Tomaten, 1 Packung passierte Tomaten, 1 kleine Dose Mais (wenn man Mais im Chili mag). Zwiebel und Paprika würfeln oder in feine Ringe bzw. Streifen schneiden, die Tomaten grob stückeln. Hackfleisch anbraten, Zwiebel und Paprika zugeben. Wenn die Zwiebeln glasig sind die frischen und die passierten Tomaten dazu, Knoblauch pressen und zugeben. Bohnen und ggf. Mais dazu und nun mit Brühe (Wasser geht auch) aufgießen bis alles gerade mit Flüssigkeit bedeckt ist. Basis geschaffen, nun geht es an die Gewürze. Probiert euch mit einem halben TL Kreuzkümmel, einem TL Oregano, einem TL frisch zerstossenem Pfeffer, ein TL Salz und einem TL Chiliflocken. Aufkochen lassen und dann gebt dem Chili erst einmal Zeit zum Kochen, bei mittlerer Wärme. Nachwürzen in kleinen Schritten! Habt ihr euer Chili so sämig, scharf und würzig, wie es euch gefällt, nehmt es von der Kochstelle, gebt einen TL Honig oder Zucker dazu, lasst es noch ein paar Minuten ziehen. Soll es dunkel werden, etwas Schokolade oder Kakao dazu (dann den Honig/Zucker weglassen oder reduzieren).

Ganz grundsätzlich, einfach weil ich das mal öffentlich sagen will: Chili ist ein scharfes Gericht, ja, aber ich finde es nur mehr lächerlich ein Chili so unvernünftig scharf zu machen, dass man es kaum mehr essen kann, nur um als besonders harter Hund zu gelten wenn man es dann dennoch runter bringt. Eine Mahlzeit soll satt machen und den Körper mit allen notwendigen Nährstoffen versorgen, keine Mutprobe sein.

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